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UFC 255 Preview

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Es ist wieder einmal so weit, ein Pay-per-view Event der UFC und zwar das 255-te. Eigentlich hätte es ein heftiges Main Event geben sollen – Deiveson Figueiredo gegen Cody Garbrandt. Der Kampf findet jedoch nicht statt, Garbrandt der ins Flyweight runtergecuttet hätte, hatte eine Verletzung im Arm und hat den Kampf bereits vor einigen Wochen abgesagt. Ersatzmann Alex Perez ist aber ein mehr als würdiger Ersatz, zwar hat er keinen gleichwertigen Namen, wie es Garbrandt gehabt hätte, sein Skillset ist aber deutlich vielseitiger als das des ehemaligen Bantamweight Champion. Im Co-Main Event verteidigt Valentina Shevchenko erneut ihren Titel, dieses mal gegen Jennifer Maia, die quasi den Titleshot Joanna Calderwood weggeschnappt hat.

Main Event: Deiveson Figueiredo vs. Alex Perez (Championship Fight)

Figueiredo musste tatsächlich einen langen Weg gehen bis er den Status des Champs bekommen hat. Er musste nach verpasstem Gewicht seinen ersten Titelkampf gegen Joseph Benavidez ohne Gürtel feiern, da er zwar den Sieg holte aber aufgrund des verpassten Gewichts natürlich nicht zum Champion erkoren werden konnte. Im Rematch zeigte er dann eine dominante Performance und holte sich die Submission nach 4:48 in der ersten Runde. Er hatte dabei vier tiefe Submission Versuche, die dann in einem Rear naked Chocke endeten. Benavidez wurde zudem mehrere male heftig zu Boden geschlagen und hatte keine Chance. Figueiredo hat nun vier Wins in Folge und hat nur gegen Jussier Formiga verloren in seiner Karriere. Gegen Formiga hat dagegen aber sein Gegner verloren, Alex Perez. Perez konnte im Juni dieses Jahres den Sieg holen, indem er Formiga eine Runde lang die Beine kaputt getreten hat und dann dadurch das TKO holen konnte – Performance of the night, die zweite in Folge.

Analyse

Figueredo ist ein untypischer Flyweightler, der eine Knockout Power mitbringt die sonst wohl keiner in dieser Gewichtsklasse mitbringt. Er konnte neun seiner 19 Siege via Knockout oder TKO holen und hat im Stand immer diese One-Punch Strikers Chance. Am Boden finde ich ihn aber nochmals besser. Natürlich ist er ein Black Belt in BJJ und zwar auf einem extrem hohen Level – siehe den Grappling Exchange gegen Benavidez im ersten Duell der etwas vom besten war, was man jemals gesehen hat in der UFC. Er hat ein solides Ringen das definitiv kein Elitelevel mitbringt aber defensiv zumindest konkurrenzfähig ist mit 61% Takedown Verteidigung.

Man muss aber auch sagen, dass er oft nicht wirklich viel Energie verschwendet und den Takedown nicht bis zum Ende verteidigen will, da sein Skillset am Boden halt so ausgeprägt ist wie es ist und er dort aus fast allen Positionen eine Submission angreifen kann – 17 Submission Angriffe in seinen neun Matches in der UFC. Eine Zahl die auf den ersten Blick klein erscheint aber nun mal so angesehen muss, dass eine Submission erst als eine solche angesehen wird, wenn der Eingang in den Griff/Choke bereits gemacht wurde und die Submission gehalten wird für einige Sekunden. Figueredo hat in seiner UFC Karriere noch nie länger als drei Minuten kämpfen müssen und sechs seine neun UFC Fights in den ersten beiden Runden beenden konnte.

Sein Striking ist allerdings so stark, dass er mittlerweile dort seine Heimat gefunden hat – Seine Wirkungstreffer Rates seit seinem Loss gegen Formiga lauten folgendermassen: 87% gegen Benaviedez II, 51% gegen Benaviedez I, 61% gegen Elliott, 59% gegen Pantoja. Der Gameplan um den Kampf auf den Boden zu verlagern sind also Drops des Gegners, ansonsten wird im Stand geballert bis der Kampf beendet ist. Einzig seine Kicks setzt der Brasilianer nur selten bzw. fast gar nie ein. Seit seinem Kampf gegen Formiga hat er in vier Kämpfen genau zwei Kicks verteilt.

Wie kann Perez also Figueredo schlagen wenn der ein so dichtes Skillset mitbringt?

Perez sollte die einzige Schwäche von Figueredo angreifen – das Ringen! Das Ringen hat Perez in seinem Rucksack und hat auf dem Community College den All American Status erreicht und war in seinem Sophomore Year auch Champion. Er kann den Kampf soweit bestimmen, dass er ihn soweit entscheiden kann wo er stattfinden soll. Perez` Takedown Defense liegt bei 87% und damit an der Spitze der gesamten UFC, dazu nimmt er 3.03 Takedowns pro 15 Minuten mit einer Accuracy von zwar nur 50% aber er greift die Takedowns so oft an bis er sie bekommt und nutzt ein solides Chainwrestling um den Gegner auf den Boden zu bringen.

Sein Schlagvolumen ist mit 4.68 landed Strikes pro Minute nochmals höher als bei Figueredo (2.80 lSpM), allerdings nicht mit der gleichen Power wie der Brasilianer. Seine Accuracy dabei liegt bei 47% dabei aber auch auf einem guten Niveau. Allerdings ist die Defense im Striking nicht das gelbe vom Ei und wird gegen Figueredo wohl nicht reichen, 3.10 Strikes schlagen pro Minute bei Perez ein was im Angesicht des Duells deutlich zu viel sein sollte.

Perez gewinnt den Kampf wenn er aggressiv den Takedown sucht und Figueredo am Boden in der Top Control bearbeitet und festhält um so die Runden zu klauen. Ich sehe ihn nicht den Kampf zu finishen, weder am Boden noch im Stand.

Fazit

Perez vs. Figueiredo, ein Kampf den es eigentlich nicht im Flyweight geben sollte. Beide haben in ihrer Karriere mehrere Male das Gewicht verpasst und könnten mit ihrer Power auch im Bantamweight bestehen. Allerdings macht es die Flyweight Division nochmals deutlich attraktiver und es ist schade, dass man mit Mighty Mouse Johnson DEN Mann dieser Division nicht mehr dabei hat.

Ich gehe klar mit Figueredo und denke nicht das ein starkes Ringen hier reicht um den Kampf zu entscheiden. Figueredo via TKO.

Co-Main Event: Valentina Shevchenko vs. Jennifer Maia (Championship Game)

Eigentlich hat Shevchenko nur eine Niederlage in ihrer Karriere und zwar die am Anfang gegen eine damals starke Liz Carmouche. Die beiden Niederlagen gegen Amanda Nunes waren Kämpfe, die sie nicht hätte machen sollen, obwohl zumindest der zweite davon auch für sie hätte gewertet werden können.

Der Kampfstil von Shevchenko ist kein Grund um einzuschalten, sie kämpft im Stand sehr defensiv und geht wenig Risiko ein, clinched gut und hat gute Takedowns und grinded am Boden ihre Gegnerinnen solange bis sie eine dominante Position für Ground and Pound hat oder für die Submission. Nichts übernatürliches aber durchaus solides Game welches sie mitbringt und so erfolgreich macht. Natürlich ist sie in der Gewichtsklasse konkurrenzlos und muss theoretisch nichts mehr beweisen.

Mit Maia kommt nun ein weiterer „Alibi-Gegner“ gegen die Kyrgisin, die wohl kaum eine Chance haben wird. Ja, sie hat einen Black Belt in BJJ und hat ein gutes Muay Thai aber hat in ihrer Karriere kaum relevante Namen besiegt. Gegen Chookagian und Liz Carmouche dazu verloren und auch nie wirklich eine lange Siegesserie aufgebaut. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass sie anrennt und in einige Counterpunches von Shevchenko reinlaufen wird bis sie irgendwann in der Distanz den Takedown hinnehmen muss, der wieder sehr unkonventionell aussehen wird und nicht schön sein wird um dann am Boden gesmashed zu werden. Maia wird hier kaum eine Chance haben und der Kampf, völlig zurecht, erneut kein Main Event für Shevchenko sein.

Mike Perry vs. Tim Means

Ich hab bereits erwähnt das der Kampf zwischen Shevchenko und Maia kein Brett ist, dass die Card aber insgesamt schwach besetzt ist zeigt auch die Tatsache das Mike Perry und Tim Means im drittletzten Kampf der Main Card stehen. Ein Duell das wohl ausschließlich im Stand ausgetragen wird, schließlich haben beide Kämpfer bereits Profikämpfe im Boxen gemacht und ihre Skillsets vor allem auf das Striking ausgestellt. Mike Perry konnte zwar in seinem letzten Kampf überraschenderweise Mickey Gall submitten, einen Kämpfer der als Bodenspezialist galt und eigentlich auch nur dort Fähigkeiten besaß für die UFC. Tim Means dagegen steht bei 4-5 und einem No Contest aus den letzten 10 Kämpfen und hat dabei deutlich kleinere Namen bekämpft als es Perry getan hat. Ich rechne hier mit einem Perry Win, der erneut seine mittlerweile schwangere Freundin in seinem Corner haben wird. Verrückter Typ dieser Mike Perry.

Katlyn Chookagian vs. Cynthia Calvillo

Seit dem Titelkampf Chookagians geht es für sie auf eine Achterbahnfahrt. Zuerst konnte sie auf die Siegesstrasse zurückfinden und Antonina Shevchenko klar nach Punkten besiegen, danach verlor sie im Oktober gegen Jessica Andrade durch einen Bodypunch der zum TKO führte und zeigte davor eine durchschnittliche Leistung und hat somit in den letzten drei Kämpfen so viele Niederlagen hinnehmen müssen wie davor in ihrer gesamten Karriere – ihre Finisherqualitäten lassen weiter zu wünschen übrig.

Mit Cynthia Calvillo erwartet sie nun eine aufstrebende Kämpferin mit einem 9-1-1 Record die allerdings auch oft Probleme mit dem Gewicht machen oder mit verbotenen Substanzen. Ihre einzige Niederlage hat sie gegen Carla Esparza via Decision erhalten und musste dort vor allem aus der Bottom Position arbeiten. Das hat sie gegen Chookagian nicht zu befürchten und kann ihren eigenen Gameplan durchbringen. Der besteht darin Takedowns zu holen und die Submission zu suchen, letztere sucht sie nicht wirklich aktiv es geht ihr eher darum die Gegnerinnen zu zermürben und die Runden zu klauen. Gegen Chookagian sollten die Takedowns zu holen sein, immerhin hat sie nur eine Takedown Defense von 48%.

Tendenz: Decision Win für Calvillo, die damit nach Jessica Eye eine weitere Top Flyweight Kämpferin besiegt hätte.

Mauricio Rua vs. Paul Craig II

Die UFC hat sich für diesen Kampf als Opener der Main Card entschieden, für mich unverständlich aus kämpferischer Sicht aber natürlich als Promotionsicht (Royval vs. Moreno hätte kämpferisch deutlich mehr Relevanz, soll aber als Appetizer dienen). Am 16.11.2019 kam es bereits zum Aufeinandertreffen dieser beiden, damals ging der Kampf mit einem Draw über die Bühne.

Rua ist mit seinen 38 Jahren ein Oldstar und eine Pride sowie UFC Legende und wohl sein Zenit längst erreicht, die Zahlen sprechen aber nach wie vor für ihn – 5-1-1 lautet sein Record aus den letzten sieben Kämpfen. Zweimal hat er dabei Antonio Nogueira und je einmal Villante, Corey Anderson und Tyson Pedro bezwungen.

Paul Craig liefert regelmässige Performances of the Night ab und submittete 12 seiner 13 Wins (zuletzt Gazhimurad Antigulov innerhalb 2:06 im Juli). Sein Skillset ist aber relativ eindimensional und basiert zu 90% auf seinem Grappling. Sein Striking ist kaum anzusehen und hat viele Lücken und gegen Rua, einen Black Belt und Veteranen wird er wohl kaum so schnell eine Submission finishen wie gegen Antigulov. Der Kampf könnte am Boden durchaus interessant werden, im Stand habe ich Rua deutlich vorne.

Prelims/ Early Prelims

Den Appetizer habe ich angesprochen. Für mich nach dem Main Event der beste Kampf des Abends – Brandon Moreno vs. Brandon Royval im Flyweight. Beide Kämpfer sind mögliche Titelcontender und werden das Main Event genau betrachten. Moreno hat nun vier Kämpfe ohne Niederlage, mit Siegen gegen Formiga, Kara-France und Perez sowie einem Draw gegen Askarov. Bei seinen 23 Kämpfen, hat er 17 Wins, inklusive 10 Submission Wins und wurde selber noch nie gefinished. Sein Gegner Brandon Royval kommt ebenfalls aus einer Winning Streak. Vier Siege hat der Mann aus Denver nun in seinem Rücken, zuletzt einen eindrücklichen Knockout-Submission Win gegen Kai Kara-France. Zuvor konnte er Tim Elliott ebenfalls durch Submission bezwingen. Es wird erst der dritte UFC Kampf für den „Raw Dawg“ der bei 12-4 als Profi steht (inklusive 8 Submission und 3 KO/TKO Wins). Ein echter Kracher also für ein Early-Prelim Kampf. Es erwartet uns ein Kampf in allen drei Bereichen des MMAs – Stand, Wrestling und Boden.

Joaquin Buckley der zuletzt viral ging mit seinem Spinning Backkick Knockout kehrt wieder in den Oktagon. Gegen Jordan Wright schauen nun ein wenig mehr Leute zu wenn er kämpft. Einen ähnlich spektakulären Sieg ist aber nicht zu erwarten – oder etwa doch?

Auch Ariane Lipski, ehemalige KSW Championesse und Top Prospect kämpft in den Prelims. Sie trifft auf die Schwester von Valentina Shevchenko, Antonina. Lipski ist die „Queen of Violence“ und ist beheimatet im Muay-Thai, hat zuletzt aber Luana Carolina mit einer sehenswerten und brutalen Kneebar gefinished. Ein wichtiger Sieg für die Brasil-Polin, die ihren fünften UFC Kampf macht und in ihrem UFC Debut gegen Joanne Calderwood einen viel zu starken Gegner vor die Brust gesetzt bekam. Im zweiten Kampf musste sie dann via Decision gegen Molly McCann eine weitere Niederlage hinnehmen, ehe sie Isabela de Padua via Decision bezwang und ihren ersten UFC Win holen konnte – De Padua hat damals das Gewicht nicht gebracht. Umso stärker der Win von Lipski. Mit einem weiteren Win könnte sie sich für die Rankings empfehlen und wäre endlich da, wo sie die UFC von Anfang an geplant hat. Ich sehe sie als Favoritin gegen Shevchenko.

Daniel Rodriguez trifft auf Nicolas Dalby – auch das ein interessanter Kampf. Rodriguez kommt aus dem 10th planet BJJ von Eddie Bravo und hat seine Stärken in den Submissions.

In den Early-Prelims gibt es dann das UFC Debut von einem „Deutschen“. Dustin Stolztfuss der sich im Spätsommer via der „Contender Series“ für die UFC qualifizieren konnte und in Deutschland lebt und trainiert trifft auf einen meiner Prospects, Kyle Daukas. Beide gelten als gute Grappler und mussten erst einen Kampf als Profis abgeben. Daukas zuletzt gegen Brenden Allen in einem extrem sehenswerten Grappling Match. Ich rechne auch hier mit viel Grapplingexchanges und Submissionversuchen.
Dazu wird auch noch der ungeschlagene 25 Jährige Louis Cosce sein UFC Debut machen. Er trifft auf Sasha Palatnikov in einem Welterweight Bout.

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Sam
Ich bin Sam und schreibe für The Crunchtime über die UFC und College Football

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