MMA UFC

Die dunkle Seite der UFC

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MMA und hier vor allem die UFC als größte Organisation dieser Sportart, genießt in den letzten Jahren immer mehr Einfluss, der durch Stars wie Conor McGregor oder Jorge Masvidal bis in den Mainstream einzieht. Die jüngsten Erfolge, wie die erste große Organisation zu sein, die nach der Corona-Pandemie wieder zurückgekommen ist und Veranstaltungen durchgeführt hat, machte Dana White und sein Team direkt zu Vorreitern in der Sportwelt. Doch abgesehen davon gibt es in jeder Sportart, die weltweit agierend ist, auch eine dunkle Seite und Charaktere die mehr als nur eine schmutzige Weste anhaben, eine davon will ich euch in diesem Beitrag vorstellen. Es geht um die skurrilen Machenschaften des wohl momentan bekanntesten, umstrittensten aber auch erfolgreichsten MMA Manager in der Branche – Ali Abdel Aziz.

Die größten Stars in der Szene, unter anderem Khabib Nurmagomedov, Kamaru Usman, Justin Gaethje, Henry Cejudo, Kayla Harrison und viele weitere Top-Athleten sind beim 43-jährigen Ägypter und dessen Management „Dominance MMA“ unter Vertrag. Abdel Aziz, der 1977 in Ägypten zur Welt kam und selbst ein MMA Profi war, entschied sich nach einer eher schwachen aktiven Karriere (1-3 Record) für die andere Seite des Sports und wurde im Hintergrund aktiv. Allerdings war er bereits vor seiner aktiven Zeit als Kämpfer, immer wieder auf dem Radar der US-Behörden. 2002 saß er kurzzeitig ein, aufgrund Kredit- und Scheckkartenbetrug, Identitätswechsel, Körperverletzung, Autodiebstahl, Betrug und Belästigung. Unter anderem wurde er am 11. September 2001 mit fünf verschiedenen Pässen erwischt, die er zu diesem Zeitpunkt bei sich trug.

Damit seine Gefängnisstrafe nicht die volle Strafzeit dauerte, wurde Abdel Aziz als Informant eingesetzt, im Dunstkreis der extremistischen „Muslims of the Americas (MOA)“, einer Gruppe die sich zum Jihad bekennt. Die Organisation taucht auch unter dem alternativen Namen „Jamaat ul-fuqra“ auf, welche vom pakistanischen Prediger Sheik Mubarak Ali Gilani gegründet und vom amerikanischen Verfassungsschutz nach den Terroranschlägen vom 11. September, genauer unter die Luppe genommen wurde. Abdel Aziz trainierte die Mitglieder dieser Organisation in Martial Arts und wurde schnell als Verbindungsmann vom FBI und dem NYPD rekrutiert. Er ermittelte darauf hin undercover in der Gruppierung, bei der sein Schwager ein hohes Tier war.

Das FBI vertraute Abdel Aziz so sehr, dass man ihm eine Green Card zuteilte, mit welcher er die Staaten ohne Probleme verlassen konnte und ebenfalls ohne Einschränkungen wieder einreisen durfte. So arbeitete er unter anderem im Ausland in Trinidad und Tobago sowie in Venezuela und verdiente mehrere hunderttausende Dollar nebenbei vom FBI dazu. Allerdings wurde das Verhältnis nach acht Jahren aufgelöst, da Abdel Aziz seine Glaubwürdigkeit nicht mehr aufrechterhalten konnte und durch den Polygraphentest gefallen war. Das NYPD und auch das FBI kappten daraufhin alle Verbindungen und Abdel Aziz, welcher die Staatsorgane über die Jahre mit genug Informationen fütterte war wieder ein „freier“ Mann. Die Justiz versuchte ihn daraufhin zwar ausweisen zu lassen, jedoch scheiterten diese Bemühungen und Abdel Aziz begann seine aktive Profikarriere im MMA Bereich. Der Informant trennte sich außerdem von seiner damaligen Frau (die Schwester des obengenannten ranghohen Mitglied der MOA) aufgrund seiner Tätigkeit als „Spitzel“.

Er heiratete erneut und hat aus dieser Ehe mittlerweile vier Kinder. Conor McGregor brachte den Namen „Noah“ damals im Vorfeld des Kampfes gegen Khabib Nurmagomedov auf den Tisch und unterstellte dem Manager seines damaligen Gegners, dass dieser seine Kinderunterhaltszahlungen nicht ordnungsgemäß tätigte. Tatsächlich ist Abdel Aziz nach seiner Zeit in Colorado, wo er auch an regionalen Veranstaltungen teilnahm, mit Schulden von 50 000 US Dollar getürmt und ist diesen Betrag bis heute schuldig. Unklar ist ob „Noah“ aus seiner ersten Ehe stammt oder ob es sich um eine Beziehung nach dieser Zeit handelt.

Man kann seine moralisch fragwürdigen Entscheidungen natürlich nur teilweise beurteilen. Fakt ist aber, dass er sich durch diese Aktivitäten bereichert hat, einer Gefängnisstrafe entkommen ist und sich so nach seiner MMA Karriere im Managementbereich verselbstständigen konnte. Dazu ist sein Sündenregister dick genug und die zweifelhaften Kontakte in die extremistische Szene nur ein weiterer Kritikpunkt am gebürtigen Ägypter.

Mittlerweile ist Abdel Aziz, zumindest im strafrelevanten Bereich ein Saubermann. Allerdings ist seine Art und Weise, wie er sich als Manager aufspielt ein Problem. Unzählige Aufeinandertreffen, Beleidigungen, persönliche Probleme und eine wirklich nervige Art und Weise wie er sich immer in den Vordergrund stellen will, machen ihn nicht wirklich zu einem Sympathieträger in der UFC und auch bei anderen Organisationen.

2019 hat Abdel Aziz, Colby Covington eine Ohrfeige verpasst, nachdem ihn dieser rassistisch beleidigt hatte. In einem Casino ist es zu dem Vorfall gekommen, nachdem Abdel Aziz und Kamaru Usman Covington ausfindig gemacht hatten. Mehrere versuchte Treffer hat der Manager verteilt. Abdel Aziz spielte sich nach diesem Vorfall als Rächer der Schwachen auf und betonte, dass sehr viele MMA Kämpfer (wohl vor allem von Dominance MMA) sich bei ihm für diese Aktion bedankt haben.

Weitere Vorfälle wie beim öffentlichen Reinrufen bei Conor McGregors Weigh-In, vor dem Khabib Kampf, warfen bereits damals ein schlechtes Licht auf den einflussreichsten Manager der Branche. Ich verstehe nicht, warum ein Manager sich aktiv in einen „Beef“ wie damals bei McGregor und Khabib einmischen muss. Natürlich versucht er seine Klienten zu verteidigen, aber Khabib war in den meisten Phasen dieser Promophase die Ruhe selbst und die ganze Selbstinszenierung von Abdel Aziz war einfach nur peinlich und unnötig.

Genau wie damals, als er, nach dem berühmten Gitterwurf von McGregor auf den Bus mit den Kämpfern bei UFC 223 in New York, der vorlauteste Anwesende in der ganzen Situation war und darauf drängte, den Bus verlassen zu dürfen um McGregor zu verprügeln. Natürlich war ihm in dieser Situation klar, dass er zurückgehalten werden würde und selbst bei einem Kampf ihm genug Leute zu Hilfe stehen würden. Man darf hierbei auch nicht vergessen, dass Abdel Aziz eine große Rolle spielte, warum die Situation damals so eskaliert ist, denn Abdel Aziz war ein Teil der Gruppe um Khabib die damals Artem Lobov in der Hotellobby abfingen und ihn daraufhin physisch attackierten. Erst nach dieser Aktion ist Conor McGregor nach New York geflogen und hat den Gitterwurf gemacht. Ob das nun richtig war oder nicht sei dahin gestellt, aber das Abdel Aziz sich und seine Schützlinge danach als Opfer hinstellt ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Bis heute hat er mehrmals dazu aufgerufen Gewalt gegen Kämpfer anzuwenden und hat selbst eine Reihe an Kämpfern bedroht, öffentlich in MMA Podcasts, wie unter anderem Ariel Helwani und wurde dafür nie zur Rechenschaft gezogen, denn Abdel Aziz ist längst ein wichtiges Instrument von Dana White geworden.

Er ist die Verbindung in den arabischen Markt und hat damals die Türen nach Abu Dhabi geöffnet, zusammen mit seinem Schützling Khabib Nurmagomedov.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Art und Weise, wie er seit Jahren seine Kämpfer aufbaut. Er lehnt kategorisch stärkere Gegner für seine Klienten ab, was man an einem Islam Makhachev am besten sieht. Makhachev wird seit Jahren als DER kommende Superstar gehandelt, der er aber eventuell gar nicht ist. Abdel Aziz handelt für seine Schützlinge gute Matchups aus und so musste Makhachev bis heute noch keinen „ranked“ Gegner kämpfen. Grotesk wenn man bedenkt, dass Makhachev auf dem elften Platz der Lightweight Rankings steht. Ein Duell gegen Ferguson beispielsweise lehnte Makhachev damals ab und auch sonst gibt man ihm kaum starke Ringer (Tsarukyan und den alternden Gleison Tibau klammer ich hier mal aus). Er baut die Leute langsam auf und umgeht dabei die guten Matchups, lässt seine Kämpfer lieber erstmal „einfache“ Matchups annehmen um den Record auf zu schönen. Eine Methode die sich wirklich nur die Top Manager leisten können. Deshalb hat er mit seinen Methoden auch so Erfolg und bekommt so wiederum die besten Talente unter seine Fittiche.

Dazu lehnt er aus purem Eigennutzen Titelkämpfe für seine Top Fighter ab und will seine eigenen Klienten in diese Spots bringen um doppelt zu kassieren. Ein Gaethje vs. Khabib oder einen Usman vs. Burns Titelkampf sind für ihn doppelt so wertvoll, wie verdientere Matchups, da er dabei doppelt abkassiert und von beiden Kämpfern Anteile abgreifen kann. Leon Edwards beispielsweise wartet seit fast schon Jahren auf den Titelshot gegen Usman, bekommt ihn aber nur über sehr viele Umwege.

Abdel Aziz vertritt in einer Welt voller Werte des Kampfsport vor allem eines, das Geld und die eigene Profitgier. Er ist respektlos, unprofessionell und ein Selbstdarsteller, der versucht durch seine Kämpfer das zu bekommen was ihm selber verwehrt bleibt. Ich bin absolut kein Fan von Trashtalk unter der Gürtellinie, aber wenn Abdel Aziz das kritisiert sollte er eventuell ein bisschen mehr in den Hintergrund treten und sich durch seine Aktionen nicht zur Zielscheibe machen um sich dann wiederum als Opfer zu sehen. Für mich muss ein MMA Manager unsichtbar sein, denn dafür ist er da. Er erledigt die wichtigsten Dinge im Hintergrund seiner Kämpfer und muss nicht das Maskottchen von diesen sein.

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Sam
Ich bin Sam und schreibe für The Crunchtime über die UFC und College Football

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