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UFC 262 Preview

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Es ist wieder soweit – das nächste Pay Per View Event steht vor der Tür. Es wird zudem das zweite Event der UFC vor vollem Publikum sein, seit der Corona Pandemie. UFC 262 findet am Samstag im Toyota Center in Houston statt. Aber genug der Vorrede, gehen wir direkt in die Card. Kaum jemals gab es eine solche Karte mit solch knappen Matchups. Auf der Main Card gilt MÜNZWURF-ALARM!

Main Event: Charles Oliveira vs. Michael Chandler

Chandler gewann zuletzt gegen Ferguson auf dominante Art und Weise und hat sich diesen Titelkampf redlich verdient. Eigentlich wäre Dustin Poirier der gerechtfertigte Titelkampf Teilnehmer, durch seinen dritten Kampf gegen McGregor hat er allerdings das Angebot abgesagt und stattdessen Michael Chandler den Vortritt gelassen. Oliveira und Chandler sind auf jeden Fall legitime Titelkämpfer, da sich beide zwar nur „Under the radar“ auf diesen Kampf vorbereiteten aber beide genug wichtige Siege einfahren konnten.

Michael Chandler ist für mich der perfekte Allrounder im MMA, sein Wrestling Background auf aller höchstem College Level in Amerika macht ihn zu einer brutal gefährlichen Waffe. Dazu sind sein Striking und seine Skills am Boden in den letzten Jahren auf ein elitäres Level gestiegen. Chandler ist ein sowohl skilltechnisches- als auch cardiotechnisches Monster. Auch wenn die UFC ihn noch nicht kennt, UFC Kämpfer kennen Chandler mehr als gut. Unter anderem hat er Benson Henderson (Ex-Lightweight Champion UFC) zweimal besiegt, wobei vor allem der zweite Win durch TKO eine starke Performance war. Anders als noch zu Beginn seiner Karriere, verlässt er sich deutlich weniger auf sein ringen, holte seine letzten drei Wins sogar via Knockout. Gegen Dan Hooker konnte er sein UFC Debüt bereits nach zweieinhalb Minuten KO schlagen und hat sich damit den Weg zum Titelkampf freigemacht, allerdings auch nur durch die Absage von Poirier.

Oliveira dagegen ist in der UFC deutlich länger dabei als Chandler und musste sich in zwei Divisionen von ganz unten nach Oben kämpfen. Oliveiras Karriere in der UFC begann im Lightweight mit einem 2-2-1 Record, ehe er sich im Featherweight versuchte. Dort stand ihm, von Beginn an, die Schwierigkeit im Weg, genug Gewicht zu machen. Ein 7-5 Record war ein mühsamer Weg an die Spitze und Oliveira entschied sich wieder ins Lightweight zu wechseln. In seinem zweiten „Debüt“ gewann er gegen Will Brooks via Rear-naked-Choke, ehe er seine bisher letzte Niederlage gegen Paul Felder hinnehmen musste. Danach holte er acht Wins in Folge, mit insgesamt sieben Finishes. Das Resümee wurde mit den beiden Siegen gegen Kevin Lee und Tony Ferguson massiv verbessert. Gegen Lee zeigte er, dass ihm starke Ringer nicht gefährlich werden können und packte, bei einem Takedownversuch, eine Guillotine aus der Hölle aus. Gegen Tony Ferguson war seine Performance aber noch eindrücklicher und er dominierte den vermeintlich starken Grappler nach Strich und Faden. Der Armbar Submissionversuch am Ende der ersten Runde hat nur nicht zu Submission geführt weil Tony Ferguson ein so harter Hund ist, dass er auch mit einem gebrochenen Arm weiterkämpfen konnte. Einen Black Belt in 10th Planet JJ so zu dominieren ist eine Seltenheit, selbst für einen 3rd Degree Black Belt wie es „Do Bronx“, wie sein Spitzname lautet, ist.

Es ist nicht nur ein Duell zwei der besten Grappler im Lightweight sondern auch ein klassisches Brasilien vs. USA Duell. Während Chandler, wie die meisten Top UFC Fighter, in den Staaten trainiert und bei Samford alle Trainingseinheiten macht, bleibt Chandler seinen Wurzeln treu und trainiert weiterhin in Sao Paulo im Chute Boxe von Diego Lima. Zwar ist das Chute Boxe Gym ein bekannter Name in Brasilien, außerhalb kennt man das Trainingscenter nicht all zu gut.

Der Kampf um den elften Lightweight Champion in der UFC. Chandler würde Double Champ werden, nachdem er bereits bei Bellator den Titel trug. Für Oliveira wäre es natürlich ebenfalls der größte Erfolg seiner Karriere. Der Kampf ist echt ein Münzwurf und könnte auf beide Seiten ausgehen. Es wird also Tagesform abhängig sein. Beide Kämpfer hatten bereits Gegner die einen ähnlichen Fightstil haben. Oliveira besiegte wie angesprochen Kevin Lee, einem mindestens genau so guten Wrestler wie es Chandler ist, durch eine Guillotine bei einem „Shoot“. Seine Submissions sind auf dem aller höchsten Level im MMA Bereich. Allerdings konnte sich auch Chandler bereits gegen Elite Grappler beweisen. Chandler besiegte unter anderem den polnischen Elite BJJ Master Marcin Held. Er besiegte ihn nicht nur sondern submittete Held via Triangle-Choke und konnte sich auch gegen den japanisch-brasilianischen Superstar Grappler Goiti Yamauchi eine Decision für sich sichern.

Co-Main Event: Beneil Dariush vs. Tony Ferguson

Der Name Ferguson ist bereits mehrfach gefallen, kein Wunder also dass auch dieser Kampf lang erwartet wurde. Tony Ferguson sollten alle UFC Fans kennen. Ein Ausdauer-GOAT der auf die verrücktesten Art und Weisen seine Training Camps führt. Ferguson hat nun zwei deutliche Niederlagen gegen Justin Gaethje und Charles Oliveira einfahren müssen und findet sich nach seinem 12-Fight-Winning-Streak, nun wieder auf der Verliererseite wieder. Ich glaube das Ferguson noch was im Tank hat und denke die zwei Niederlagen waren nicht all zu schlimm. Gegen Gaethje bereitete er sich für den Khabib Kampf vor und wurde dann im Striking total ausgekontert. Gegen Oliveira reichte sein Skillset nicht mehr und man hat gesehen, dass der Brasilianer, an diesem Tag, deutlich mehr Hunger hatte. Ferguson ist für mich nach wie vor ein Top 8 Lightweight Kaliber und verfügt immer noch über ein breites Skillset. Sein Striking beruht zwar darauf, dass er jeweils aussieht wie überfahren, durch seine Cardio konnte er sich aber immer auf ein stabiles Kinn verlassen. Es ist fast unmöglich Ferguson zu finishen, wie man u.a. gegen Oliveira gesehen hat. Ferguson muss man, wenn dann auschoken, um ihn finishen zu können. Seine Takedown Defense ist ein Problem und war jahrelang völlig overrated. Allerdings hat er sein Training auch immer mehr in das Striking ausgerichtet. Am Boden würde ich ihn nach wie vor als elitär bezeichnen und vom Rücken aus, trotz dem Oliveira Kampf, als jederzeit gefährlich. Ob das allerdings gegen Dariush reicht?

Dariush ist seit Jahren ein Hypekämpfer von mir und hatte mit die spektakulärsten Fights in letzter Zeit. Unvergessen sein Kampf gegen Drakkar Klose, bei welchem er fast eine Runde an seinem Rücken hing, um dann am Anfang von Runde 2 direkt durchgeschüttelt zu werden, dann mit einer Counterfist Klose durchschüttelte und ihn danach via TKO zu finishen. Im nächsten Kampf wurde Scott Holtzman via Spinning Backfist brutal ausgeknockt. Danach kam es zum Rematch gegen Carlos Diego Ferreira, einem 3rd Degree Black Belt in BJJ. Er holte dort einen weiteren Sieg. Die sechs Siege in Folge lassen ihn nun gegen Ferguson an die Top 5 anklopfen.

Dariush ist ebenfalls ein sehr starker BJJ Fighter. In seinem 20-4-1 Record stehen acht Submissions und fünf Knockouts. Er ist ein Black Belt unter Romulo Barra und Bruno Paulista, zwei der besten Coaches der Welt. Seine Bodenskills sind daher mindestens auf dem Level von Ferguson. Das Ringen sollte bei Fergusons Takedowns Defense ebenfalls kein all zu großes Problem werden. Das sehe ich aber im Stand, wo Dariush zwar nicht minder anfällig für Treffer ist, aber durch seine Cardio deutlich hinter Ferguson steht. Auch dieser Kampf ist ein Münzwurf. Ferguson ist der deutlich erfahrenere Mann, während Dariush auf einer Welle des Erfolgs schwebt und mehr Hunger mitbringen sollte. Ein Sieg würde ihn tatsächlich in die Reichweiten des Titels bringen.

Dariush gegen Ferguson ist zwar der Ersatzkampf für Diaz gegen Edwards, verspricht aber mehr Spektakel als ein Comebackkampf von Diaz und einem zweiten Kampf seit Jahren von Edwards.

Katlyn Chookagian vs. Viviana Araujo

Der Mittelkampf der Main Card findet im Women Flyweight statt und könnte ein Title-Eliminator Fight sein. Chookagian, weist eine 4-3 Bilanz aus den letzten sieben Kämpfen vor. Die Niederlagen kamen allerdings auch gegen Jessica Andrade, Valentina Shevchenko und Jessica Eye, drei Elite-Kämpferinnen in der Gewichtsklasse. Dennoch muss Chookagian konstanter werden um an der Spitze zu bleiben.

Mit Viviane Araujo tritt sie nämlich gegen eine sehr interessante Kämpferin an. Die Brasilianerin, die einen 10-2 Record mitbringt und in der UFC ebenfalls gegen Jessica Eye verloren hat, gilt als nächste Top Kämpferin in der Gewichtsklasse. Sie kämpfte zwar in den letzten beiden Jahren nur zweimal und gewann dabei auch nur durch Decisions, aber sie hat einen starken Boden Background, der für Chookagian gefährlich werden kann. Ich bin ganz ehrlich, der Kampf mag für einige interessant sein, allerdings wäre alles andere als eine Decision hier eine Überraschung und von daher erspare ich mir die langen Analysen.

Shane Burgos vs. Edson Barboza

Barboza gab sein Featherweight Debüt vor ziemlich genau zwei Jahren (16.05.2020) gegen Dan Ige. Er verlor diesen Kampf zwar, allerdings nur durch eine Split Decision. Seitdem hat er einen weiteren Kampf gemacht und dort eindrucksvoll Makwan Amirkhani besiegt. Nach jahrelanger Zeit im Lightweight, wo am Ende leider nur noch ein Sieg aus fünf Kämpfen herausschaute, scheint es so als hätte Barboza seine Heimat gefunden. Barboza, der einen 21-9 Record hat, ist in erster Linie ein Muay Thai Kämpfer der mit seinen Leg-Kicks gerne die Beine seiner Gegner zusammentritt. Allerdings ist er auch am Boden solide, was man zuletzt im Amirkhani Kampf sehen konnte. Seine Takedown Defense ist stark, hatte aber Lücken gegen sehr starke Ringer (Khabib, Lee). Ansonsten war er auch dort gut genug für durchschnittliche Wrestler. Das dürfte Burgos in die Karten spielen.

Der Mann aus der Bronx ist ein reiner MMA Kämpfer, der direkt mit MMA angefangen hat und keinen klassischen Background im MMA hat. Daher verfügt er nach elf Jahren MMA Kämpfen über ein ausgeglichenes Skillset abgerundet wird. Burgos hat in der UFC vor allem im Stand versucht die Kämpfe zu gewinnen und daher eine Takedown Defense Rate von 89%. Sein Striking ist aber noch besser. Mit 50% weist er ein starkes offensives Striking auf und kann mit einer Strikedefense von 60% problemlos zu den besten defensiven Strikern gezählt werden. Allgemein gefällt mir sein Stil, sein Kampf gegen Josh Emmett war einer der Top Fights 2020. Zwar verlor er diesen Kampf, durfte aber den Performance of the night Bonus mit nach Hause nehmen. Es war erst die zweite Profiniederlage von Burgos. Ich rechne auch gegen Barboza mit einem knappen Kampf und einer Decision, die zu einem der besten Kämpfe des Abends werden dürfte. Ringen werden wir eher nicht sehen, dafür jede Menge Striking und brutale Treffer. Auch dieser Kampf ist ein Münzwurf, die Tendenz heute geht aber in Richtung Burgos der anders als Barboza in seiner Prime angekommen ist.

Matt Schnell vs. Rogerio Bontorin

Flyweight Action! Nachdem diese Woche bekannt gegeben wurde, dass Brandon Royval und Alexandre Pantoja gegeneinander kämpfen werden, steht mit Schnell gegen Bontorin bereits ein Top Fight in der niedrigsten Gewichtklasse bevor. Ein Top 10 Kampf zwischen dem auf Neun gerankten Matt Schnell und dem auf der Acht gerankten Rogerio Bontorin. Schnell, 15-5, hat bereits mehrfach gezeigt wie gut er Gegner finishen kann. Zehn seiner 15 Siege holte er vorzeitig inklusive acht Submission Wins. Er ist ein Purple Belt in BJJ, ein Black Belt in Karate, gewann zuletzt fünf seiner sechs Kämpfe und musste sich nur gegen Alexandre Pantoja geschlagen geben. Seine Triangle Chokes sind besonders gefährlich, werden mit Rogerio Bontorin aber auch einen starken Gegner finishen müssen.

Bontorin ist Black Belt und gewann selbst elf seiner 16 Siege via Submission. Insgesamt hat er einen Record von 16-3 und einem No-Contest, verlor allerdings die letzten beiden Kämpfe in der UFC, was ihn aus der Title Contention heraus brachte. Mit Ray Borg musste er allerdings auch gegen einen zu schweren Gegner ran, während er gegen Kai Kara-France kurz vorm Ende der ersten Runde ausgeknockt wurde. Uns erwartet ein Kampf, der wie die anderen Männerkämpfe der Maincard, ein Münzwurf ist.

Die Prelims und Early-Prelims

Jacare Souza, den ich nach seiner Niederlage gegen Holland bereits nicht mehr in der UFC gesehen habe, kämpft gegen Andre Muniz. Muniz hat sechs Siege in Folge und konnte sich über die Dana Whites Contender Series in die UFC kämpfen. Dort konnte er sowohl sein Debüt als auch den zweiten Kampf gewinnen, einen durch Decision den anderen durch Submission. Ein Duell zwischen zwei starken Grapplern, Jacare der Oldschooler und 4th Degree Black Belt und Muniz der als Newschooler ebenfalls gefährlich ist.

Im Featherweight kämpft Lando Vannata gegen Mike Gundy. Mike Gundy aus England verlor im Juli 2020 gegen Movsar Evloev war davor aber in 13 Kämpfen mit 12 Siegen erfolgreich. Lando Vannata ist deutlich inkonstanter, konnte seit 2016 keine zwei Siege in Folge einfahren und hat seitdem einen 3-4-2 Record.

Andrea Lee gegen Antonina Shevchenko findet im Womens Flyweight statt. Lee startete mit einem 11-2 Record in die Profikarriere, steht nun aber bei 11-5, da sie drei Niederlagen in Folge einstecken musste. Sie steht jetzt mit dem Rücken zur Wand. Eine weitere Niederlage könnte ihr AUS in der UFC bedeuten. Die ehemalige LFA Championess muss mit Antonina Shevchenko außerdem eine schwere Aufgabe lösen. Shevchenko ist ebenfalls eine Allrounderin, allerdings skilltechnisch höher einzuschätzen. Ich rechne mit einem Sieg, der Schwester von Champion Valentina.

Jordan Wright, der Beverly Hills Ninja ist ein Talent im Middleweight, welches nun einen 11-1 Record vorzuweisen hat, zuletzt aber gegen Joaquin Buckley die erste Karriereniederlage hinnehmen musste. Sein Gegner Jamie Pickett hat bereits fünf davon gesehen, allerdings auch elf Siege erkämpfen können. Er steht bei 4-2 aus den letzten sechs Kämpfen, war aber zuletzt auch mit einer Niederlage konfrontiert.

In den Early-Prelims sind die Kämpfe dann, logischerweise, schlechter. Gina Mazany (7-4) gegen Priscila Cachoeira (9-3) und Kevin Aguilar (17-4) gegen Tucker Lutz (11-1) sind nicht mehr als Prospect Fights bzw. Lückenfüller. Mit Sean Soriano gegen Christos Giagos dann nur noch Lückenfüller.

Das Event beginnt um 04:00 mit der Main Card und um 00:30 mit den Early Prelims. Wie gesagt, vor vollem Haus in Houston wie UFC 261, welches einer der besten Events aller Zeiten war.

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Sam
Ich bin Sam und schreibe für The Crunchtime über die UFC und College Football

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