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Die Top 10 Offensive Tackles im Draft 2024

Lesedauer: 8 Min
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Wie jedes Jahr wird auch im kommenden Draft auf neue Spieler auf der zweitwichtigsten Position in der Offense gesucht. Ich habe mir die größten Talente angeschaut und basierend auf ihrem Gametape aus der Saison 2022 meine besten 10 Offensive Tackle geranked.

Vorweg möchte ich noch erwähnen, dass das hier meine eigene Meinung ist. Es gibt sicherlich Potential für Diskussionen. Ich bin kein professioneller Scout und möchte mir das auch nicht anmaßen. Dennoch spiele ich seit 4 Jahren selbst Football in der Offensive Line und habe schon auf jeder Position Spiele absolviert. Daher kommt auch mein großes Interesse für diese, sehr unterschätzte Positionsgruppe. Was auch noch gesagt werden muss, ist, dass ich logischerweise nur das Tape der Saison 2022 gesehen habe und bei einigen Spielern auch noch nicht klar ist, ob diese überhaupt für den Draft 2024 declaren. Es kann sich bis im April noch einiges ändern.

Diese Klasse kann man in der Spitze in drei Gruppen aufteilen. Zum einen gibt es drei Spieler, welche ich deutlich vor allen anderen sehe und erwarte, dass diese in der 1. Runde gezogen werden. Dann gibt es eine kleine Lücke, bevor weitere 3 Spieler kommen, die ich sicherlich in der 2. Runde sehen. Mit ein wenig Glück oder einer starken Saison 2023 könnten diese noch in die 1. Runde rutschen. Dann folgt eine weitere Lücke und die 4 restlichen Spieler in der Top 10. Diese sehe ich in der 3. bis 5. Runde. Dazu kommen Spieler, von denen ich bis jetzt zu wenig Spiele sehen konnte, da sie 2022 nur wenige Snaps erhielten. Einige davon verfügen über sehr viel Potential und es wird spannend sie nach der kommenden Spielzeit zu bewerten.

Alabama RT: JC Latham

Beginnen wir aber nun mit der Spitze der Klasse. Zuoberst sehe ich JC Latham von Alabama. Er hat für einen Tackle die perfekte Masse und ist trotzdem sehr athletisch. In Kombination mit seinem sehr guten Footwork in der Pass Protection gewinnt er schnell an Tiefe. Dadurch ist es enorm schwierig, ihn mit Tempo zu schlagen. Trotz seines Tempos ist er sehr geduldig und lässt sich nicht von Inside-Moves überraschen. Was dazu kommt ist, dass er auch im Run eine Wucht ist. Er hat sehr viel Power und kann Verteidiger bewegen. Zudem kommt ihm auch hier seine Athletik zugute, wodurch er gut in Space agiert. Was eher negative Punkte sind, ist seine Leverage. Er steht schon im Stance sehr hoch und hat die Füße enger zusammen als andere Tackle. Dadurch wird er anfälliger für Bullrushes. Neben dieser korrigierbaren Kritik ist er für mich aber der beste Tackle dieser Klasse und sollte in den Top 15 im kommenden Draft gezogen werden.

Penn State LT: Olumuyiwa Fashanu

Der zweitbeste Tackle im Draft 2024 ist Olumuyiwa Fashanu. Er hätte bereits dieses Jahr declaren können und wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit in der 1. Runde gegangen. Dennoch entschied er sich bei Penn State zu bleiben. Seine Stärken sind seine Hände. Er platziert diese konstant auf dem Breastplate des Verteidigers. Zudem ist er ein guter Athlet und bewegt sich schnell und fluid in der Pass Protection. Seine Schwäche ist aber, dass er manchmal zu hoch ist. Nicht nur in Pass pro, sondern auch im Run. Zudem hat er die Angewohnheit zu lungen. Das heißt er lehnt zu weit nach vorne, was von den Defender schnell ausgenutzt wird.

Notre Dame LT: Joe Alt

Der dritte Spieler, welchen ich in der ersten Runde sehe, ist Joe Alt von Notre Dame. Der Junior wird vor allem durch seine Qualitäten in der Pass Protection sehr hoch bewertet. Er hat einen sehr guten Get-off, ist schnell im Kickstep und seine Hände sind elite. Auch er ist athletisch stark und kann Blocks auf dem second level landen. Sein grösster Nachteil ist aber, dass er im Run Game, nicht so dominant ist, wie man das von einem Top 5 Pick erwarten würde. Im Pass ist er zudem anfällig gegen Bullrush, was teilweise durch seine Grösse (6’8’’) begründet werden kann. Das kann ihm vor allem gegen stärkere Gegner in der NFL zum Verhängnis werden. Dennoch sehe ich auch ihn so zwischen pick 10 und 20. Zudem ist der Abstand zu den Fashanu und Latham gering. Alle drei sind sehr nahe beieinander und es kann sich noch einiges ändern.

BYU RT: Kingsley Suamataia

Suamataia kam 2021 als 5-star-recruit zu Oregon. Nachdem er nur 1 Spiel absolvierte und geredshirted wurde, ging er ins Transfer Portal und schloss sich den BYU Cougars an. Er spielte das letzte Jahr als Right Tackle und zeigte sehr viel Potential. Er ist physisch enorm stark und kann Verteidiger nach seinem Wunsch bewegen. Zudem spielt er sehr physisch und bestraft Defensive Ends. Jedoch ist seine Technik etwas roh und er verlässt sich sehr viel auf die physischen Vorteile. So sollte er seine langen Arme in der Pass Protection noch mehr zu seinem Vorteil ausnutzen. Seine größte Schwäche ist zudem, dass er sich noch zu viel in den Verteidiger hinein lehnt. Daher sehe ich ihn in der frühen 2. Runde.

Arizona LT: Jordan Morgan

Der erfahrenen Left Tackle von Arizona zeichnet seine Pass Protection aus. Er spielt geduldig, kann aber, wenn es sein muss, schnell Tiefe generieren. Zudem ist sein Hand Placement konstant auf einem guten Niveau. Im Lauf hat er aber so seine Schwächen. Das Wichtigste ist dabei, dass seine Power nicht auf dem höchsten Level ist. Weiter hat er die Angewohnheit einen empty Step im Run zu haben. Das heißt, er macht einen Schritt nach hinten, bevor er den Defender attackiert, wodurch er Zeit und Power verliert. Zwar ist er athletisch gut, doch es fällt ihm schwer Blocks auf dem zweiten Level zu landen, da er overshooted. Das bedeutet er hat nicht die Geduld, um Run Plays entwickeln zu lassen und ist bei Blocks häufig zu weit down Field. Ein letzter negativer Punkt ist, dass er seinen Kopf teilweise beim Kontakt nach unten richtet, was für den Nacken schädlich sein kann.

Duke LT: Graham Barton

Duke ist nicht wirklich für viel Draftpotential bekannt. Doch im kommenden Draft ist der Left Tackle der Blue Devils einer meiner Lieblingsspieler. Er ist sehr versatil einsetzbar und hat in seinem Freshman Year schon Center gespielt. Zudem ist er einer, der im Run dominieren kann. Er ist ein guter Puller, was die anderen Tackles nur selten machen müssen. In der Pass Protection besticht er durch sein Mirroring, also dem Spiegeln des Defenders. Auch sein Anchor ist gut und er spielt mit tiefer Leverage. Seine Schwäche ist aber die Länge seiner Arme. Dadurch, dass diese nicht die optimale Tackle-Länge haben, lehnt er sich häufiger nach vorne. Auch das Handplacement ist nicht optimal, denn er platziert die Hände oft aussen am Shoulderpad. Das kann zu einigen Holding-Penalties führend. Was ihm wiederum zugutekommt ist, dass er auf jeder Position der Offensive Line eingesetzt werden kann und auch auf Guard ein Day-one-Starter sein könnte. Daher habe ich auch ihn in der 2. Runde.

Wisconsin LT: Jack Nelson

Nun sind wir bei der dritten Gruppe angelangt. Viele Spieler haben Upside, aber dennoch einige Einschränkungen, weshalb ich sie zwischen Runde 3 und 4 sehe. Dazu gehört auch Jack Nelson von Wisconsin. Er ist ein grosser Spieler, der seine Stärken primär in der Pass Protection hat. Von allen Tackle hat er wohl die beste und konstanteste Leverage in der Pass Pro. Er bleibt fast immer tief und hat guten Bend in der Hüfte, wie auch in den Knien. Er bleibt lange parallel zur Line of Scrimmage und spielt mit schweren, aber dennoch präzisen Händen. Durch das System bei den Badgers ist es aber schwierig einzuschätzen, ob er diese Rolle eines Pass Blockers so in der NFL übernehmen könnte. Denn in Wisonsin startet die ganze Line aus dem three point stance und Nelson spielt nicht mit dem klassischen Kickstep. Zudem ist sein Run Blocking höchstens okay. Er hat teilweise Mühe Power zu generieren, lehnt sich sehr viel in den Verteidiger hinein und gerät dadurch oft aus der Balance. Trotz seiner athletischen Fähigkeiten landet er überraschen wenige Blocks auf dem second Level, denn in solchen Situationen hat er die Angewohnheit zu hoch zu sein.

USC RT: Jonah Monheim

Vorweg muss man sagen, dass zwischen Nelson und Monheim eine Lücke besteht. Das heisst ich würde den Redshirt Junior aus Kalifornien – Stand jetzt – in der Mitte der 4. Runde draften. Er hat einen guten Kickstep und ist athletisch. Im letzten Jahr spielte er zudem neben Right Tackle auch Right Guard und es ist noch nicht ganz klar, welche Position er 2023 spielen wird. Laut einem inoffiziellen Depth Chart, wird er wahrscheinlich auf dem Tackle Spot verbleiben. Was mich bei ihm skeptisch zurücklässt, ist, dass er oft auf seiner Innenseite geschlagen wird. Zudem spielt er sehr hoch und sein Bend ist höchstens okay. Das führt dazu, dass er gegen Bullrush und Speed-to-Power Moves der Defensive Line äusserst anfällig ist. Dazu kommt, dass die Platzierung seiner Hände nicht konstant ist. Immer wieder puncht er outside und hat weniger Kontrolle über den Defensive End. Er ist mehr ein Projekt, vor allem in der Pass Protection, hat aber auch einiges an Upside.

Washington LT: Troy Fautanu

Der Left Tackle der Washington Huskies ist im Vergleich kleiner und hat nicht den Frame anderer Spieler. Daher könnte er in der NFL auch als Guard eingesetzt werden, was er im vergangenen Jahr in ein paar Spielen schon gespielt hat. In der Pass Protection gewinnt er viele Duelle durch seinen ersten Punch, der häufig sehr platziert ist. Allgemein sind seine Hände konstant inside und er ist auch gut gegen Handfightig der Defensive Lineman. Im Run Game ist er schnell auf dem second level und landet einige Blocks gegen Linebacker und Defensive Backs. Doch sowohl im Run als auch im Pass lehnt er sich häufig zu weit nach vorne und hat Probleme seine Balance zu halten. In der Pass Protection spielt er zudem mit zu wenig Geduld und oversettet zum Teil. Das heißt er bewegt sich zu schnell nach hinten und macht dadurch den Weg auf seiner Innenseite zum Quarterback frei. Ihn sehe ich ähnlich wie Monheim in der Mitte in der 4. Runde.

Miami LT: Zion Nelson

Der letzte Spieler in meiner Top 10 ist Zion Nelson von der University of Miami. Der Redshirt Junior ist bereits seit einigen Jahren in der Draft-Konversation. Letzte Saison fiel er jedoch wegen einer Knieverletzung aus und nahm ein Medical-Redshirt. Positiv ist sein gutes Footwork in der Pass Protection. Er kann schnell Tiefe gewinnen und bleibt dennoch parallel zur Line of Scrimmage. Zudem hat er gute Power beim ersten Kontakt. Negativ ist jedoch sein Handplacement. Er hat die Hände häufig ausserhalb, wodurch er den DE fast umarmt. So ist es schwierig, den Gegner zu kontrollieren. Zudem spielt er zu hoch und ist dadurch anfällig auf Bullrush. Im Run ist er nicht der physischste Spieler und hat einige Probleme die Balance zu halten. Es wird sehr interessant zu sehen, wie er von seiner Knieverletzung zurückkommt und ob er sich 2023 noch besser für den Draft empfehlen kann.

Honorable mentions

Kommen wir nun zu einigen Spielern, die es nicht in die Top 10 geschafft haben. Einer der vCon vielen sehr hoch gehandelt wird, ist Amarius Mims von Georgia. Er bringt alle physischen Elemente mit, hat aber noch nie über längere Zeit gestartet. So ist es auch schwierig genug Gametape zu sichten. Er wird aber einer der Spieler sein, der sich durch eine gute Saison in die Konversation um die 1. Runde bringen könnte.

Aus ähnlichen Gründen nicht bewertet werden konnten zudem Nolan Rucci von Wisonsin und Tommy Brockenmeyer, der von Alabama zu TCU getransfered ist. Zwei weitere Spieler, die ich interessant finde, sind zudem Blake Fisher von Notre Dame und Roger Rosengarten von Washington. Beide sind sehr roh, haben aber viel Potential. Zudem sind beide Redshirt Sophomores, was ihnen noch mehr Zeit zur Entwicklung lässt. Vielleicht werden sie ja zu den Top Tackles für den Draft 2025.

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Laurin
Ich schreibe seit 2022 für "The Crunchtime“ und bin grosse College Football sowie New York Giants Fan. Zudem analysiere ich gerne jeglichen Content, der mit der Offensive Line zu tun hat.

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