NBA

Hot or Cold? Erstes Fazit der Saison

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Mehr als einen Monat läuft die NBA Saison 2020/21. Die Mannschaften konnten ihre Kader evaluieren und sehen, was gut läuft und wo es noch Handlungsbedarf gibt. Zeit auch für uns, ein erstes Fazit zu ziehen. Ole und Björn überlegen, wer am meisten überrascht, wer am weitesten hinter den Erwartungen zurückliegt, wer sein Team am besten verstärkt und wer den Lakers am ehesten gefährlich wird.

Die größte Überraschung

Björn: Ein positiven Start in die neue Saison habe ich bei den Knicks schon mit Stirnrunzeln betrachtet. Irgendwas kann da nicht stimmen, dachte ich. Umso beeindruckender, dass sie immer noch auf einem Playoff-Rang stehen. Genau so hält es sich mit den Cavs. Vor der Saison waren das für mich neben den Pistons die schlechtesten Teams im Osten. Besonders die beiden Cleveland-Siege gegen Brooklyn zeigen, dass der Playoff-Platz nicht von ungefähr kommt. Hier wird sich aber noch alles in die richtige Richtung rücken.

Viel weniger habe ich erwartet, dass die Utah Jazz so brandheiß die Liga zerfegen. Aktuell sind sie von niemandem zu stoppen. Auch wenn es Shaq nicht gefällt, Mitchell ist redhot. Unter dem Korb kann keiner Gobert aufhalten, Conley funktioniert endlich und Clarkson ist der beste sechste Mann. Utah ist die größte Überraschung der NBA.

Ole: Wie das bekanntlich mit Analysen nach den ersten 20 Spielen so ist, sind die Bilanzen und Tabellenplätze der Teams bisher nur bedingt aussagekräftig. Ein Playoff-Platz im Osten springt für die Knicks oder Cavs am Ende der Saison sicherlich nicht heraus. Doch als NBA-Fan streicht man die Spiele aus dem Maddison Square Garden oder Rocket Mortgage FieldHouse nicht automatisch aus seiner Abendplanung. Cavs-Guard Colin Sexton macht bisher richtig Spaß beim zugucken, seine Energie und Explosivität stechen heraus, dazu stehen nach 20 Spielen bisher extrem effiziente 24,6 Punkte im Durchschnitt. Bei den Knicks muss man sicherlich Julius Randle hervorheben, der mit sechs Assists im Schnitt sich zu einem neuen Spieler entwickelt und den nächsten Schritt zu einem noch produktiveren Offensiv-Spieler gemacht hat.

Doch meine größte Überraschung liegt im Westen und nach momentanem Stand auf Platz Vier und damit auf einem Home Court Platz: Die San Antonio Spurs liegen momentan nur hinter den beiden Teams aus LA (welche die Spurs beide schon besiegten) und den brandheißen Utah Jazz. Sieben Spieler punkten bei den Spurs zweistellig, mit einigen Überraschungen in den Statistiken: DeMar DeRozan nimmt knapp zwei Dreier pro Spiel und trifft davon fast 37%. Der Forward scheint sich zumindest ein wenig mit dem Trend der Liga weiterzuentwickeln, auch wenn sich Greg Popovich dort sicherlich noch ein wenig mehr Attempts wünscht. Dejounte Murray ist zudem momentan die zweite Option der Spurs, zeigt sich defensiv auf elitärem Level und macht offensiv bis auf die Dreierquote bisher sehr viel richtig. Die Spurs sind für mich die Wohlfühlstory der Liga, weil niemand sie wirklich auf dem Schirm hat.

Die größte Enttäuschung

Björn: Eigentlich kann hier kein Weg an den Washington Wizards vorbei führen. Doch ich muss ehrlich sagen, dass ich den Wizards vor der Saison nicht wirklich viel zugetraut habe. Dieser miese Record, ist zwar enttäuschen, aber war irgendwie vorprogrammiert. Auf der anderen Seite sind die wirklich miesen Teams keine große Überraschung.

Minnesota spielt ohne KAT und Detroit hat zwar Grant, aber Griffin ist done. Die größten Enttäuschungen kommen für mich aus dem Westen. Zum einen die Pelicans, die mich immer mehr an einem Durchbruch von Zion zweifeln lassen. Trades könnten hier das Ruder umreißen. Zum anderen sind die Mavs für mich die größte Enttäuschung. Auch wenn das Team nie wirklich fit war, es hängt alles an Luka. Der Rest funktioniert einfach nicht. Besonders Porzingis findet einfach nicht in das System. Wenn dein Guard die meisten Rebounds holt, ist das kein gutes Zeichen.

Ole: Zu diesem Zeitpunkt sind die größten Enttäuschungen zumeist Teams, die man vor der Saison relativ sicher in den Playoffs sah, sich momentan davon aber noch entfernt befinden. Im Westen hat Björn die Mavericks, Pelicans und Timberwolves schon gut zusammengefasst, daher werfe ich einen Blick auf die Sorgenkinder im Osten. Denn bisher ist der Vorjahresfinalist aus Miami nur auf Platz 13 der Eastern Conference, was sicherlich im Zusammenhang mit den erst sechs absolvierten Spielen von Jimmy Butler steht.

Durch Corona-Fälle und Verletzungen kommen die Heat gar nicht erst ins Rollen. Bei den Toronto Raptors sieht das ähnlich aus, ihnen fehlt momentan ein echter Go-To-Guy in der Offensive. Besonders Pascal Siakam quält sich bisher eher durch die Saison. Der Verlust von Serge Ibaka macht sich definitiv bemerkbar, auch wenn Chris Boucher sich einen immer größer werdenden Case für den MIP-Award erarbeitet. Zuletzt gab es drei Niederlagen in Folge, die Raptors werden sich für die Playoffs noch ordentlich strecken müssen – denn bisher sind sie eine Enttäuschung.

Die beste Verstärkung

Björn: Es wird sich zeigen, wie das Superstar-Trio in Brooklyn funktionieren wird. Ich werde aber einfach nicht warm mit der Idee, Harden als beste Verstärkung zu küren. Für eine beste Verstärkung reicht es nicht, den beste Scorer zu holen. Für mich ist viel wichtiger verhältnismäßig wenig zu investieren und dann das Maximum aus einem Neuling zu holen.

Daher kommen für mich drei Spieler in Frage. Zum einen Grant, der beste Chancen auf den MIP hat. Leider ist sein Team zu mies, um ihn als die beste Verpflichtung zu sehen. Chris Paul ist der Spieler, der die Suns zu einem nicht chancenlosen Playoff-Team macht. Seine Leistungen haben mich bisher noch nicht überzeugt. Im Endeffekt ist es für mich die Wiedergeburt des John Wall. Es ist einfach toll seine Explosivität wieder zu sehen. Im Gegenzug haben die Rockets die Unruhen mit dem Abgang von Westbrook ablegen können. Wall will dieses Team führen, ohne aber Superstar Allüren á la Harden abzuliefern.

Ole: Bei dieser Kategorie ging es für mich um eine Addition, welches das jeweilige Team auf die nächste Stufe gebracht hat oder noch bringen könnte. Jerami Grant macht bisher einen richtig starken Job bei den Pistons, doch Detroit grüßt nunmal vom Ende der Eastern Conference. Die besten Verstärkungen sehe ich in Phoenix und in Los Angeles. Serge Ibaka ist bei den Clippers die benötigte Stretch Five, welche das Feld für Kawhi Leonard und Paul George breit zieht und defensiv ein absoluter Anker für das Team ist. Eine extrem wichtige Addition für die Playoffs. Die Lakers haben sich mit Dennis Schröder einen Spielertypen geholt, welcher Playmaking übernehmen kann, wenn LeBron James auf der Bank sitzt. Mit LeBron und Anthony Davis auf dem Feld, stellt der Deutsche eine richtig starke dritte Option dar und trifft seine offenen Catch&Shoot Dreier.

Doch den größten Impact auf sein neues Team hat wohl Chris Paul bei den Phoenix Suns. Der „Point God“ ist die perfekte Addition im Back Court zu Devin Booker, sorgt mit seinem hohen Basketball-IQ und seiner Übersicht für die Mitspieler für ein neues Level der Suns-Offensive. Knapp neun Assists legt Paul auf, zudem kann er für sich selber kreieren und averaged 15,5 Punkte pro Partie. Phoenix ist eigentlich ein Lock auf die Playoffs und mit CP3 in den Reihen ein ernstzunehmender Gegner für jedes West-Team.

Wer kann die Lakers schlagen

Björn: Keine Frage, die Lakers spielen aktuell in ihrer ganz eigenen Liga. Die kurze Pause scheint das Team nicht müde, zu machen und sie sind eher hungrig auf mehr. Dennoch sind sie für mich nicht unschlagbar. LeBron ist zwar auf absoluten MVP-Niveau, doch Davis kommt aktuell noch nicht richtig in Fahrt. Mit Schröder haben sie eine weitere Option in der Offense. Einige Teams sind aber durchaus in der Lage die Lakers zu Fall zu bringen.

Sollte das Projekt in Brooklyn aufgehen, sind die Nets offensiv absolut auf Augenhöhe, doch so richtig glaube ich daran nicht. Auch die Bucks empfinde ich in dieser Saison nicht als stark genug. Vielmehr sind es die Sixers mit ihren ausgeglichenen Kader, die den Lakers gefährlich werden. Simmons kann LeBron einigermaßen in Zaum halten und Embiid kann gut im direkten Duell gegen AD funktionieren. Dann kommt es auf den Rest des Teams an. Hier sind die Sixers einfach tiefer besetzt. Nicht falsch verstehen, die Lakers sind für mich Favorit Nummer Eins, aber lange nicht so klar, wie es für viele den Anschein macht.

Ole: Im Osten wohl am ehesten die Brooklyn Nets, auch hier hat Björn meine Sorge schon geäußert – Das Team aus den drei Superstars klingt (noch) zu gut um wahr zu sein. Aber ein Team aus Kevin Durant, James Harden und Kyrie Irving kann auch so gut sein, um das beste Team der NBA zu sein. Abwarten und Räucherstäbchen anzünden ist die Devise in Brooklyns Kosmos.

Sonst sehe ich die Clippers als größten Herausforderer der Lakers. Zwei Superstars mit 50, 40, 90 Quoten in Kawhi Leonard und Paul George, die Clippers haben eine der besten Dreierquoten der Liga. Nicolas Batum scheint mit einem „normalen“ Vertrag befreit aufspielen zu können, Serge Ibaka stellt sich als der erhoffte Anker unter dem Korb heraus. Wenn die Clippers dieses Niveau in den Playoffs halten, Kawhi seine Raptors 2019 Playoff Form erreicht und Pandemic P das erste Mal seit jungen Pacers Jahren zu Playoff P wird – dann darf sich der NBA-Fan mit einem Jahr Verspätung auf ein zumindest knappes Battle of LA freuen.

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Bjoern
Schreiben ist mein Hobby, die NBA meine Leidenschaft. Wenn Basketball läuft, sind schlaflose Nächte vorprogrammiert. Ich versuche euch, so gut es geht, meine Meinungen, Analysen und Berichte zu präsentieren, die aus Sicht eines Fans interessante Einblicke bieten.

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