MLB

Dave Dombrowski ist nicht der Richtige für die Phillies!

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Die Philadelphia Phillies haben letzten Samstag bekannt gegeben, dass man Dave Dombrowski als neuen President of Baseball Operations verpflichtet hat. Dies beendet damit offiziell die dreimonatige Suche für den Nachfolger von General Manager Matt Klentak, der Anfang Oktober zurücktrat.


Kleine Anmerkung zu Beginn

Das Erste, was man hier anmerken kann, ist, dass man Dombrowski als President of Baseball Operations und nicht als General Manager unter Vertrag genommen hat. Dies könnte ein Zeichen für eine größere Umstrukturierung des Front Office sein, denn zuvor hatte man die Position nicht. 

Natürlich könnte es sich hier einfach nur um eine Umbenennung der Position handeln. Es könnte aber auch sein, dass man noch einen General Manager holt (Interims-GM Ned Rice wäre hier ein offensichtlicher Kandidat), der mehr das tägliche Geschäft bewältigt und Dombrowski dann “nur” noch Dinge, wie Transaktionen bestätigen muss. 

Die Texas Rangers haben als letztes Team dieses Schema eingeführt, nachdem sie ihren bisherigen General Manager Jon Daniels zum President of Baseball Operation ernannt hatten und Chris Young als General Manager geholt haben.

Im Jahr 2016, als President of Baseball Operations der Boston Red Sox, hat sich Dombrowski jedoch dagegen entschiede, seinen bisherigen General Manager Mike Hazen, der dieselbe Position bei den Arizona Diamondbacks übernahm, zu ersetzen.

In seiner Vorstellungskonferenz zeigte sich Dombrowski noch unschlüssig, ob er einen General Manager unter Vertrag nehmen wird.


Dave Dombrowski

Wenn man auf die bisherige Laufbahn von Dombrowski blickt, dann findet besonders eine Sache: Erfolg!

Dombrowski konnte bisher zwei World Series Gewinnerteams (Red Sox, 2018 und Marlins, 1997) bauen. Zudem kam er mit den Detroit Tigers, im Jahr 2006 und 2012, in die World Series, wo man jedoch den St. Louis Cardinals und den San Francisco Giants unterlag. 

Genau dies wird auch der Grund sein, warum man sich für ihn entschieden hat und trotzdem bin ich der Meinung, dass Dombrowski die falsche Personalie ist, um den gewünschten Erfolg nach Philadelphia zu bringen.

Direkt will ich anmerken, dass ich hier nicht sagen will, dass Dombrowski ein schlechter General Manager ist, denn bisher hat er immer gute Teams aufbauen können und vier World Series Teilnahme mit drei Teams ist unbestreitbar gut. 

Meine Kritik liegt eher darin, dass die Phillies aktuell nicht die Mittel haben, sodass Dombrowski das machen kann, was seine bisherigen Teams zu Erfolgen brachte. Damit liegt meine Kritik viel mehr bzw. komplett bei der Phillies Führungsriege. 


Dave Dombrowski nach dem Gewinn der World Series 2018!


Was ist Dombrowski’s Strategie?

Dombrowski ist dafür bekannt, dass er für einen Sieg der World Series sein gesamtes Farm System hergeben würde, nur um die nötigen Spieler für sein Team zu bekommen. 

Allein im Chris Sale hat er seinen damaligen Nr. 1 (Yoan Moncada, damals sogar Nr. 1 Overall Prospect) und Nr. 2 Prospect (Michael Kopech) hergegeben und dies war nicht das einzige Mal, dass er einige seiner besten Prospects und damit die eventuelle Zukunft des Teams in Trades abgegeben hat. 

Als Dombrowski im Jahr 2015 bei den Red Sox übernahm, hatten diese das Nr. 4 Farm System. Als er im Jahr 2019 ging, hatten die Red Sox das schlechteste Farm System der MLB.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass sich seine Trades komplett ausgezahlt haben, denn immerhin haben die Red Sox nicht zuletzt wegen diesen Trades eine weitere World Series gewonnen.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass er bisher eigentlich die meisten seiner großen Trades gewonnen hat, spricht das natürlich für Dombrowski als guten “Trader”. 

Außer Frage steht jedoch auch der Fakt, dass aus einem World Series Team, das so nur selten eine Dynastie werden kann. Zudem kann man sich kein Team nur durch Trades aufbauen, denn früher oder später muss man, auch aus finanzieller Sicht, eigene Spieler fördern.


Verträge

Wenn sich ein Team, dass eine wirkliche Chance auf die World Series wittert, mit erfahrenen Spielern verstärkt, dann haben diese Spielern meistens keine langen Verträge, sondern vielleicht noch ein, wenn nicht zwei Jahre Restvertrag.

Mit einer World Series in der Tasche und (gehen wir einmal davon aus, dass der Spieler nach dem Trade kein kompletter Bust ist) guter Leistung, wird er vermutlich einen größeren Vertrag wollen als er ihn vor seinem Trade bekommen hätte. 

Wenn wir beim Thema Verträge sind, will ich noch eine weitere Sache nennen, die gegen die Verbindung Dombrowski-Phillies spricht.

Dombrowski gibt gerne einmal (zu) viel Geld für Free Agents aus, wodurch das Cap Space früher oder später so hoch wird, dass man sich von guten Spielern wieder trennen muss. Große (eigentlich deutlich überhöhte) Verträge für Nathan Eovaldi, J.D. Martinez und David Price machen es dann schwieriger andere Free Agents unter Vertrag zu nehmen. Nicht zuletzt mussten die Red Sox auch aus finanzieller Hinsicht Mookie Betts und David Price zu den Los Angeles Dodgers schicken.

Über den 9 Jahre/214 Millionen Dollar Vertrag, den Dombrowski im Jahr 2012 (damals noch als General Manager der Detroit Tigers) an Prince Fielder gab, will ich gar nicht anfangen zu reden.


Dave Dombrowski


Warum passt er nicht zu den Phillies?

Die Phillies haben sehr viele Lücken, die gefüllt werden müssen: Man braucht unter anderem eigentlich ein komplett neues Bullpen (2020 hatte man das schlechteste Bullpen der MLB), einen Catcher (womöglich JT Realmuto resignen) und einen Shortstop (man verliert Didi Gregorius).

Dombrowski könnte hier durchaus der richtige Mann sein, immerhin hatte er zuletzt ein sehr gutes Bullpen bei den Red Sox erbaut und könnte vermutlich einen guten Trade für einen Shortstop/Catcher aushandeln oder einfach das Geld für JT Realmuto in die Hand nehmen.

Aber genau hier kommt direkt das Problem.

Die Phillies haben aktuell das viertschlechteste Farm System. Zum Zeitpunkt des Midseason-Ranking wird dies vermutlich auf den letzten Platz abrutschen. Spieler, wie 3B Alec Bohm und die RHP’s Spencer Howard, Francisco Morales und Adonis Medina werden dann nämlich ihren Prospect-Status verlieren.

Damit hat Dombrowski also weniger Optionen, um einen hochkarätigen Trade zu machen, da er einfach wenig “Kapital” zum abgeben hat.


Finanzprobleme bei den Phillies?

Was noch dazukommt, sind angebliche Finanzprobleme bei den Phillies, immerhin musste man über 100 Mitarbeiter des Front Offices entlassen. Einigen Quellen zufolge, haben die Phillies durch die Corona-Pandemie knapp 150 Millionen Dollar verloren (The Athletic’s Matt Gelb hat zur finanziellen Situation der Phillies einen guten Beitrag geschrieben).

Laut ESPN’s Buster Olney überlegte man sogar, ob man Starting Pitcher Zack Wheeler traden will, um Geld einzusparen. Die Phillies bestritten dies vehement und meinten, dass man ihn nicht einmal für Babe Ruth traden würde. 

Mit der Verpflichtung von Dombrowski machen die Phillies nun jedoch deutlich, dass sie in einem kompletten Win-Now Modus sind. Man verliert nun wohl, wie oben bereits erwähnt, seinen Star-Catcher und einen sehr starken Shortstop. Dies kommt zu den bisherigen Lücken dazu und nun sagt der Owner John Middleton scheinbar: “Ja, genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um All-In zu gehen!“ Für mich macht dies in der Situation, in der sich die Phillies befinden, absolut keinen Sinn.

Die aktuelle finanzielle Situation, das Farm System und die Personalie Dombrowski passen nicht zusammen und kann, meiner Meinung nach, richtig nach hinten losgehen. Wenn ich eine Firma mit knappen Geldmitteln habe, stelle ich nicht den CEO ein, der dafür bekannt ist viel Geldmittel zu benötigen.

Was für die Phillies deutlich mehr Sinn gemacht hätte, wäre ein General Manager à la Erik Neander (aktuell GM der Tampa Bay Rays ), der weiß, wie man mit limitierten Ressourcen umgehen kann.

Die Phillies sind eine Marketing-Maschine und sind in ihren Einnahmen eigentlich immer unter den Top-10. Wenn man nun einen General Manager hat, der weiß, wie man in dieser aktuellen Situation mit wenig Trade-Kapital und schlechten Finanzen ein gutes Team aufbauen kann, dann wäre dies in der Kurz- und Langzeit deutlich besser.

Vielleicht wird Dombrowski aber endlich mehr auf Advanced Analytics setzen, denn dies ist ein Feld, in dem die Phillies in den letzten Jahren einen deutlichen Fortschritt gemacht haben, indem sie Leute, wie z.B. Andrew Galdi (Director, Baseball Research & Development) von Google abwerben konnten. 

Wenn Dombrowski, der in der Vergangenheit eher zu der “Scouting over Analytics”-Gruppe gehört hat, nun vermehrt auf diese Ressource zurückgreifen wird, dann könnte es ihm vielleicht gelingen, die Lücken kostengünstig zu füllen. Bei den Red Sox hat er dies zuletzt gemacht, was mir vielleicht etwas Hoffnung für die Phillies gibt.

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Silvio
20-jähriger Student, welcher zu den scheinbar wenigen Leuten in den deutschsprachigen Ländern gehört, welche Baseball tatsächlich als nicht langweilig empfinden und daran sogar eine große Freude finden. Darüber hinaus auch noch am American Football, spezifisch College Football, interessiert.

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